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35 Jahre Motorsport

Mit dem Beginn der Supercupsaison 2011 schaut Walter Lechner auf 35 Jahre aktiven Motorsport zurück. Mehr als die Hälfte seines Lebens hat der Österreicher mit dem Rennsport zugebracht.

Wenn T-Shirts zu kurz sind – die lange Promi-Liste

„Aus Anlass unseres 35-jährigen Jubiläums wollten wir für die Walter Lechner Racing School ein T-Shirt mit den Namen der prominenten Rennfahrer produzieren, die bei uns gefahren sind oder ihren Job gelernt haben", lässt Walter Lechner sein halbes motorsportliches Leben noch einmal an sich vorbeiziehen. „Wir haben die Produktion aber vorläufig erst einmal auf Eis gelegt." Die eher humoristisch anmutende Begründung: „Uns ging der Platz aus; schon nach dem Buchstaben 'B' war das T-Shirt zu kurz", grinst Lechner. Es hätte sich wohl eher die Produktion eines bodenlangen Wintermantels empfohlen, um die Namen der Herren Schlesser, Wurz, Klien, Bartels, Berger, der Manager Franz Tost und Arno Zensen oder eines Stefan Bellof unterzubringen.

Einer wie keiner – Stefan Bellof

„Stefan war der Rennfahrer, der mich in all der Zeit am meisten beeindruckt hat", denkt Walter Lechner mit Freude aber auch tiefer Wehmaut an den am 1. September 1985 beim 1.000 km-Rennen in Spa tödlich verunglückten Ausnahmesportler. „Wenn ein junger Rennfahrer auf dich zukommt, weißt du bereits nach Sekunden, ob die Chemie stimmt oder nicht." Bei den Lechner und Bellof hat sie gestimmt. „Bei der Harald-Ertl-Motorshow kam Geo Bellof auf mich zu." Der ältere der beiden Bellof-Brüder hat eine Bitte an den Chef: „Kannst du den Kleinen nicht mal bei dir fahren lassen?" Lechner gibt dem Junior beim „Glühwein-Grand-Prix" in Hockenheim ein Formel-Ford-Cockpit und der revanchiert sich auf seine Art. „Stefan hat auf seine begnadete Art und Weise Kreise um den Rest des Feldes gedreht und das mit seiner ausgeprägten Freude an der Rennerei und dem für ihn typischen Schalk im Nacken", so Lechner. Zwei Jahre lang fuhr Bellof für Lechner Racing.

Hier fährt der Chef

„Wenn ich das Rad noch mal zurückdrehen könnte, dann würde ich früher mit dem Rennsport beginnen", verweist Walter Lechner auf einen der ganz wenigen Punkte, die er in seinem Leben „vielleicht anders machen würde", bekäme er noch einmal die Chance dazu. „Als ich anfing, war ich 26 Jahre alt und Lauda bereits das erste Mal Weltmeister obwohl wir den gleichen Geburtsjahrgang haben." Walter Lechner tobt erfolgreich durch die Welt des Rennsports. Er und sein Team werden neunzehn Mal Meister in der Formel 3, Deutscher- und Europameister in der Formel Super Vau. „Und da dachte ich, dass dies immer so weiter gehen würde." Doch dann springt ein Sponsor ab. „Pleite, ich stand auf der Straße", lernt Lechner die andere Seite des Rennsports kennen und lässt sich so fürs Leben prägen. „Da habe ich gelernt, wie wichtig die wirtschaftliche Seite und insbesondere die Vermarktung ist." Er baut sich sein ganz persönliches Netzwerk auf. „Ich bin heute stolz, wenn Dr. Wolfgang Porsche bei einem Supercuplauf zu mir kommt und mir die Hand schüttelt", sagt er. „Es ist der Stolz und der gegenseitige Respekt vor den Lebensleistungen, der so zum Ausdruck kommt."

Mit 1.000 PS – Lechners Zeit in der Gruppe C

„Es war eine faszinierende, verrückte aber auch gefährliche Zeit", denkt Lechner an seine Ritte auf den 1.000-PS-Kanonenkugeln der Gruppe-C-Zeit zurück. „Ich bin froh über meine Jahre in dieser Klasse aber auch heilfroh, dass ich noch lebe und noch beide Beine habe", bringt Lechner es in seiner typischen Art auf den Punkt. „Damals haben wir pro Jahr zwei Kollegen zu Grabe getragen." Als kleines Privat-Team und bessere one-man-show die „Großen" geärgert zu haben, bereitet ihm noch heute Freude. „Da bin ich gegen Walter Brun oder gegen die Joest-Mannschaft gefahren und die haben schnell erkannt, dass man besser mit Lechner als gegen ihn fährt er", grinst er noch heute darüber, dass die „Mächtigen der Branche" ihn gerne mal als dritten Mann in ihre Autos setzten. In der Interserie gönnt er sich eine gute Handvoll Meistertitel.

Schluss ist – noch mal Tourenwagen

„Wir Österreicher sind ja nicht unbedingt für die besten Tourenwagenmeisterschaft der Welt berühmt", macht Lechner seine Späße über den Motorsport in der Alpenrepublik. „Zwei Jahre lang hatten wir aber eine ganz gute Show mit tollen Autos und guten Namen." Mit einem Ford Sierra Cosworth RS 500 tobt er herum, wehrt sich gegen eine aufstrebende Claudia Hürtgen oder gegen Dieter Quester. Dann schmeißt er den Bettel hin und wechselt endgültig die Fronten – Lechner ist „nur noch" Teamchef. Meistertitel in der Formel Renault und der Formel VW werden auf der Habenseite abgehakt.

Boss im eigenen Porsche-Team

2003 klopft er dann an die Porsche-Tür. Mit Rang drei im Supercup geht seine erste Cupsaison zu Ende. 2005 darf er sich erstmals Meister nennen. Alessandro Zampedri holt den Pott, die Lechner Racing School wird mit ihm und Patrick Huisman Teammeister. Fünf Jahre und zehn Rennsiege später summiert sich die Meisterschalensammlung auf fünf. „Man darf nie nachlassen, muss immer hart für den Erfolg kämpfen und an das Vorwärtskommen denken", sagt Lechner über seine Strategie im Motorsport. Kontinuierlich baut er seine Geschäftsfelder aus, ist seit zwei Jahren Organisationschef der GT3 Cup Challenge Middle East. „Mit Fahrern aus dieser Meisterschaft soll es für Lechner Racing auch international weitergehen. Wir werden 2011 an diversen Langstreckenrennen teilnehmen. Unsere Projektdiskussionen laufen in Richtung der GTE-Klasse (ehemals GT2); auch Le Mans ist ein Thema." Über Arbeitsmangel kann sich die Lechner-Truppe beklagen; Vollbeschäftigung herrscht vor, Urlaubsscheine werden wie Goldklümpchen gehandelt. „Nach der Supercupsaison begann für uns die Meisterschaft im Mittleren Osten und wenn die zu Ende ist geht es in Bahrain mit dem Supercup nahtlos weiter. Mit René Rast peilt Walter Lechner dort das Unternehmen zweifache Titelverteidigung an. Es liegen halt noch ein paar Titel brach und außerdem sind erst 35 Jahre seit Lechners Karrierebeginn vergangen.


Walter Lechner
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